Kunkelspass und Taminatal

Tamins-Kunkelspass-Vättis und Vättis-Altes Bad Pfäfers

Sonntag, 16. September ca. 4,1/4h, 12,5km, ⇑ 740m ⇓ 450m und

Mittwoch, 19. September 2018 ca. 3, 3/4h, 11km, ⇑ 310m ⇓ 570m

Der Kunkelspass, (1357 m ü.M) zwischen dem Calandamassiv und der Ringelspitz, verbindet Tamins in Graubünden mit Vättis im Kanton St. Gallen.

Mir war dieser Übergang bis anhin unbekannt, dafür besuchte ich seit meiner Kindheit schon einige Male die Taminaschlucht, meistens gelangte ich zu Fuss von Bad Ragaz durchs Badtobel dorthin. Der Gang bis zur Quelle fand ich immer wieder auf’s Neue faszinierend.

Im Internet fand ich ein paar Wandervorschläge zur Region Sarganserland, eine davon mit dem Thema Porta Romana.

Bei der Porta Roman Pfäfers handelt es sich um einen Saumweg, der bereits zu Römerzeiten begangen worden sei, und der später für das Kloster Pfäfers, das zahlreiche Besitze in Graubünden besass, wichtig war. Auf diesem historischen Weg, konnte damals dem oft überschwemmten Rheintal ausgewichen werden.

Heutezutage ist der Übergang über den Kunkelspass insbesonders bei Bikern aber auch bei Wanderer sehr beliebt. Der schmale Fahrweg ist beidseitig durchgehend, mit Belag versehen, die Zufahrt mit Motorfahrzeug ist von Süden her bewilligungspflichtig. Dem Wanderer bieten sich immer wieder Möglichkeiten dem Fahrweg auszuweichen.

Am Sonntag startete ich in Tamins Dorf mit der ersten Etappe dieser 2-Tages Wanderung. Ich folge der Fahrstrasse aufwärts Richtung Norden. Es liegen ein paar hundert Höhenmeter Aufstieg vor mir. Bald komme ich zu einer weitflächigen Weide mit Kühen. Der Anblick dieser braunen und schwarzen Tiere, inmitten der grünen Weiden und interessanten Felsformationen eingekesselten Landschaft, bot ein schönes Bild.

Alpweide oberhalb Tamins

Etwas später habe ich die Wahl, entweder weiter dem Fahrweg, also dem historischen Weg, zu folgen oder den steileren Aufstieg durch das Foppaloch zu wählen. Ich entschied mich für das Foppaloch. Nun zwängt sich der Weg zwischen hohen Felsen stetig aufwärts. Dieser ist aber breit genug, ungefährlich und problemlos zu laufen. Oben angekommen, bietet sich ein ganz neues Landschaftsbild. Der Kunkelspass ist eine weitläufige Ebene.

Ich hatte genügend Zeit, um etwas länger da oben zu bleiben und auch im Berggasthaus ein Stück Heidelbeerkuchen zu verspeisen, bevor ich mich auf den Weg hinunter nach Vättis machte. Die Nordseite des Passes verläuft weit weniger steil. Nach kurzer Zeit konnte ich von der Fahrstrasse weg und einem Natursträsschen in der Höhe folgen, ich hatte gute Sicht auf die Berge. Der Himmel zeigte sich inzwischen bedeckt, doch die Temperaturen blieben immer noch recht mild. Da ich für meine Heimreise ab Vättis bereits ein Ticket zum Spartarif für den späten Nachmittag gekauft habe, blieb mir genug Zeit und so machte ich mehrmals an schönen Plätzen einen kurzen Halt.

Vättis liegt auf 940 m. ü. M. und ist das südlichst gelegene Dorf des Kantons St. Gallen. Es bildet zusammen mit weiteren Dörfern die politische Gemeinde Pfäfers. Ab Vättis gelangt man ins Calfeisental und zum Weihler St. Martin, einer ehemaligen Walsersiedlung.

Am Mittwoch bin ich dann noch die zweite Etappe gelaufen. Da ich zwischendurch heimkehrte, kam ich gleich zweimal in den Genuss der Postautofahrt zwischen Bahnhof Bad Ragaz und Vättis. Die Fahrstrasse ist kurvig und schmal und nahe den Felsen. Der Blick auf die umliegenden Berge ist prächtig. Seit einem Jahr sind die beiden Talseiten Pfäfers und Valens durch eine neue Bogenbrücke, der Taminabrücke, miteinander verbunden.

Nach meiner Ankunft in Vättis machte ich mich gleich auf den Weg der Tamina entlang dem Rheintal zu. Zuerst hatte ich noch die imposante Felswand des Haldensteiner Calanda zu meiner rechten, bald weitete sich das Tal. Das Rauschen der Tamina begleitete mich durch den Tag. Es ist landschaftlich ein schöner Wanderweg, meist auf Kiessträsschen, oft leider auch auf Belag, zwischendurch wieder auf Wiesenpfaden. Kurz vor Valens folgt ein kurzer Anstieg bevor der Weg dann ins Tobel hinunter zum alten Bad Pfäfers und zur Taminaschlucht führt.

Nun bietet sich die Möglichkeit noch etwa 1/12 Stunden durch die Schlucht bis zum Bahnhof Bad Ragaz weiterzulaufen oder in die Geschichte des alten Bades einzutauchen, die Quelle zu besuchen und danach, mit vielen Eindrücken gesättigt, den Bus zu nehmen. (Fahrpreis 6.-, GA/HT nicht gültig)

Da ich erst kürzlich bei der Quelle war, wendete ich mich heute dem Badmuseum zu. In einem der noch verbleibenden und renovierten Gebäuden befindet sich das Restaurant und das Museum. In den letzten Jahren wurde viel gemacht, um dem Publikum einen Einblick in die wechselvolle Geschichte des Badens von den Ursprüngen bis zur Gegenwart aufzuzeigen. Denn im Thermalwasser gebadet wurde bereits im Mittelalter, auch wenn damals recht skurrile Methoden angewendet wurden, wie zum Beispiel das Abseilen der Badenden direkt zur Quelle in die enge und dunkle Schlucht hinunter oder das tagelange Verweilen im Wasser.

Zum Ruhm der Therme verhalf im 16. Jahrhundert unter anderm auch der Arzt und Alchemist Paracelsus der im Bad Pfäfers als erster Badearzt lebte und wirkte.

Später, wurde dann das Quelleasser gefasst und in Holzleitungen an den Standort des heutigen Bad Pfäfers geführt.

Das Kloster Pfäfers verwaltete die Quelle als „Geschenk des Himmels“ bis zur Auflösung der Benediktinerabtei im Jahr 1838. Dann ging Quelle und Bad an den Kanton St. Gallen über. Es wurde die Zufahrtsstrasse durch’s Tobel errichtet und anschliessend das Thermalwasser bis nach Ragaz ins neu erbaute Kurbad geleitet. Damit entstand der Weltkurort Bad Ragaz.

Der Betrieb im alten Bad Pfäfers wurde im Jahre 1969 eingestellt.

Ein spannender Tag ging für mich zu ende, das Postauto brachte mich zur Schlucht hinaus in die moderne Welt, zum Bahnhof Bad Ragaz und aus dem Fenster konnte ich einen Blick auf den Weltkurort werfen.

Info Altes Bad Pfäfers

Altes Bad Pfäfers heutiges Badmuseum und Kapelle

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