Dem Zauber des Engadins erliegen

Tagesausflug ins Engadin, Montag, 29. Juni 2020

Die SBB Tageskarte zum Spartarif war schon lange gekauft, eine Idee, wo es an diesem Tag hingehen könnte, hatte ich ebenfalls schon lange, nur das dazu passende Wanderwetter wollte nicht aufkommen. Starker Regen war vorausgesagt, doch für den Nachmittag stand Wetterbesserung in Aussicht. Meine Wanderung im Nationalpark schlug ich mir sogleich aus dem Kopf, nicht jedoch das Engadin.

Mir war gar nie bewusst, dass dank dem Vereinatunnel die Fahrzeit mit dem Zug von Zürich ins Unterengadin lediglich etwa zweieinhalb Stunden dauert, also etwas länger als eine Reise ins Toggenburg. Doch an diesem Tag konnte ich mir für die Anfahrt ruhig etwas mehr Zeit nehmen und eine andere Route wählen. Schon lange wollte ich einmal die ganze Strecke von Chur über die Lenzerheide und über den Julierpass bis St. Moritz mit dem Postauto fahren, das war grad die Gelegenheit dazu. Erstaunlicherweise war ich nicht einmal die einzige im Bus, die ihren Sitzplatz für die gesamte Strecke belegte. Doch ohne diese «Sitzkleber» wäre der Bus vermutlich leer unterwegs gewesen.

Obwohl es fast durchgehend regnete, genoss ich die Fahrt und dachte daran, dass ich ja das ganze Wegstück zwischen Chur und Julierpass Höhe bereits abgelaufen bin, und somit die Gegend nochmals im «Schnelllauf» durchgehen durfte. In St. Moritz hatte ich etwas Zeit für einen Kaffee aus dem Automaten bevor ich mich in den bereitstehenden Zug nach Samedan setzte. In Samedan musste ich nochmals umsteigen um nach Scuol-Tarasp zu gelangen.

Das Oberengadin ist ein eher ebenes, hochalpines Tal und ist geprägt durch seine einmalige Seenlandschaft. Das Unterengadin weist ein deutlich grösseres Gefälle auf. Es ist enger und wilder als das Oberengadin. Diesen Wechsel konnte ich während der Fahrt gut beobachten. In Cinuos-chel beginnt das Unterengadin und inzwischen hellte sich der Himmel doch noch auf und die Sonne kam zwischen den Wolken hervor. Gegen halb zwei traf ich in Scuol-Tarasp ein.

Ich wollte mir den oberen alten Dorfteil ansehen und mich dabei an den schönen Engadiner Häuser erfreuen, dazu hatte ich bei meinem Besuch im letzten Sommer viel zu wenig Zeit gehabt. Zudem wollte ich mich auf einen Rundgang entlang den verschiedenen Quellen und Brunnen begeben, die es in der Umgebung von Scuol gibt. Um alle Quellfassungen, die öffentlich zugänglich sind, zu besuchen, bräuchte man mehrere Tage. Die Broschüre dazu ist in der Gäste-Information Scuol, gleich neben dem Coop, erhältlich.

Heute kam ich in Genuss von Wasser aus der, Vi, der Clozza und der Sotsass Quelle, alle drei sind (Eisenhaltige) Calzium-Hydrogencarbonat-Säuerlinge. Ich habe von jeder ausgiebig gekostet und noch eine Flasche Clozza Wasser mit nach Hause genommen. Dieses konnte ich aus dem «Eichhörnlibrunnen» abfüllen. Als ich auf dem Bänkli daneben mein Mittagessen ass, sah ich, wie viele Leute in der kurzen Zeit kamen und gleich mehrere Flaschen damit füllten. Das Wasser hat einen starken metalligen Geschmack, ist es jedoch gut gekühlt, merkt man das weniger. Die Quellfassung befindet sich etwas weiter oben im Clozzatobel. Den kurzen Rundgang habe ich anschliessend noch unter die Füsse genommen und war sehr beeindruckt von dem Felsen mit den starken Kalkausblühungen, an dem ich vorbeikam. Bald kam ich zur Brücke und überquerte die Clozza. Die Quelle befindet sich gleich auf der anderen Seite. Man kann den Metalldeckel hochheben und durch das Glasfenster hinunterschauen. Anschliessend führt ein steiler Trampelpfad aus dem Tobel wieder hoch zu einer Weide. Ich lief noch ein wenig weiter Richtung Sent zum Sotsass Brunnen, wovon ich auch noch etwas trank.

Und schon war es später Nachmittag geworden, ich setzte mich noch ein wenig auf eine Bank und blickte auf die umliegenden Berge. Und da zeigte sich mir dieses ganz spezielle Licht, von dem bereits viele Künstler, Maler, Dichter und Philosophen schwärmten. Das Blau des Himmels in der Ferne war tatsächlich intensiver und das Licht der Spätnachmittagssonne strahlte ganz besonders stark. Und schon bin ich ebenfalls dem Zauber des Engadins erlegen.

mein früherer Bericht über die Mineralquellen des Engadins

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