Via Francigena Schweiz, Etappe 10, Bourg-St-Pierre => Hospice Grand-Saint-Bernard (12 km)

Am 31. Juli 2026, auf dem letzten Viertel des Aufstiegs zum Grossen Sankt Bernhard, begann es zu regnen. Am Parkplatz L’Hospitalet fand ich sogleich eine Mitfahrgelegenheit zur Passhöhe, die ich gerne annahm. Trotzdem wollte ich das letzte Wegstück zu einem späteren Zeitpunkt noch laufen, so bin ich Mitte August nochmals hergereist.

Bourg-St-Pierre LHospitalet, 9,3 km, 3 h, und 668m ↑ und 187m ↓

Freitag, 31. Juli 2026

In Liddes, wo ich übernachtete, nahm ich den ersten Bus hoch nach Bourg-Saint-Pierre und durfte um 6 Uhr bereits loslaufen. Der Weg führt zuerst durchs Dorf, die Kirche war geschlossen, was mich nun nicht mehr wundert.

Bald danach begann ein sehr schönes Stück Weg, das man sich gut als historischer Saumpfad vorstellen könnte, sanft ansteigend, mit gepflasterten Steinen belegt. Bald kam auch schon die Staumauer des Lac des Toules in Sicht. Der Wanderweg führt als schöner Wiesenpfad weit oberhalb vom Wasserspiegel hindurch.

Zu jener frühen Stunde begegneten mir erst ein paar Trailrunner. Besonders angenehm zum Laufen oder Wandern ist dort, dass auf jener Höhenlage kaum Kühe oder andere Nutztiere anzutreffen waren, man muss somit kaum Weiden durchlaufen und die Wege sind so auch nicht zertrampelt.

Etwas speziell anzusehen ist die recht grosse, schwimmende Solaranlage im Lac des Toules, eine der wenigen in hochalpinen Gebieten.

An der Passstrasse weiter oben bei den Galerien, gibt es eine Bushaltestelle (Bourg-St-Bernard). Der Zustieg zum Wanderweg führt über die Dranse d‘ Entremont via Brücke. Eine Gruppe kam daher, ich lies sie vor, die scheinen fit und voller Tatendrang zu sein. Zwei, drei weiteren Wanderern liess ich ebenfalls den Vortritt. Ewas später bemerkte ich die Gruppe wieder, nun schon ziemlich weit oben.

Oh, herrjeh, das geht ja noch recht aufwärts. Doch dann die Entwarnung, das ist eine andere Route, die diese gewählt haben. Die Via Francigena führt an einer Alp vorbei und dann leicht abwärts.

Eine Pause wäre fällig, ich suchte mir ein flaches und trockenes Plätzchen mit einem Stein zum anlehnen, denn ich wollte mindestens eine halbe Stunde pausieren. Mit Hitze hatte ich an jenem Tag zum Glück nicht zu kämpfen, weisse Wolken bedeckten den Himmel immer mal wieder, und es wehte ein angenehmes, warmes Lüftchen.

Das änderte sich jedoch rasant, der Wind wurde stärker, die Wolken wechselten von weiss in grau, ich musste die Pause vorzeitig abbrechen. Weiter oben führt der Weg nah zur Passstrasse mit der Bushaltestelle L’Hospitalet, doch es gibt gerade einmal drei Kurse pro Tag. Doch ich hoffte darauf, wenigstens einen Unterstand im Falle eines rasch eintreffenden Regengusses vorzufinden.

Nach Gewitter sah es zwar noch nicht aus, obwohl es zu tröpfeln begann. Soll ich es trotzdem wagen weiterzulaufen. Es verbleiben noch etwas über dreihundert Höhenmeter und etwa eineinhalb Stunden Weg. Auf dem Parkplatz stand ein Wagen, ein Seniorenpärchen stieg aus und betrachtete kritisch den Himmel. Kurz entschlossen wagte ich zu fragen, ob sie zum Pass hochfahren würden. Das taten sie und sie waren auch bereit, mich mitzunehmen.

Oben angelangt schüttete es wie aus Kübeln, ich konnte mich grad noch ins Restaurant retten, welches sich rasch mit weiteren „Flüchtigen“ füllte. Wenig später war der Spuk vorbei, die Sonne kam wieder und ich habe mich bei Suppe und Kaffee gut erholt und war so bereit, die Gegend auf dem Pass zu erkunden. Der Weg um den See herum hat sich gelohnt, auf der anderen Seeseite ist Italien und der Ausblick auf die umliegenden Berge und die Serpentinen hinunter ins Aostatal ist fantastisch.

Später besuchte ich im Hospitz noch die Kirche, den Tresor und natürlich das Museum, um etwas über die Geschichte dieses Passes zu erfahren. Da kommt man natürlich auch am Botschafter der Gegend vorbei, dem Bernhardiner Hund, ein paar von denen haben das dankbare Los gezogen, sich den Touristen zu präsentieren, was sie jedoch nicht aus ihrer Ruhe zu bringen schien, sie lagen in ihren Gehegen und schliefen, dürfen sich aber nach den Besuchszeiten auf grösserem Raum bewegen.

Im Lädeli kaufte ich mir dann noch so ein Exemplar, danach checkte ich in meinem Zimmer ein, nach einem feinen Abendessen schlief ich herrlich. Am nächsten Morgen jedoch war Zeit, Abschied zu nehmen, mein Bus fuhr um 10:33 zu Tal.

L’Hospitalet Hospice Grand-Saint-Bernard, 3 km, 1 ¼ h, und 382m ↑ und 10m ↓

Freitag, 14. August 2026

Im Nachhinein muss ich gestehen, es wäre schade gewesen, diesen sehr schönen Wegabschnitt nicht erleben zu dürfen. Ich kam zwar durchaus nochmals recht ins Schnaufen, denn es geht doch stetig aufwärts, doch die kleinen Moore mit dem Wollgras, der kleine Wasserfall und die Atmosphäre das hat sich gelohnt. Mir blieben etwas mehr als zwei Stunden Zeit bis zur Abfahrt des Buses, das reichte sogar für eine ausgiebigere Pause auf einem kleinen Hügel. Für den Nachmittag waren wieder Gewitter vorhergesagt und ich wollte nicht bis kurz vor Fünf Uhr auf dem Pass bleiben.

Da es ja nicht möglich war, von Zürich aus direkt zur Haltestelle L’Hospitalet anzureisen, kam ich bereits am Vortag an. Das heisst, ich durfte so noch die Fondation Pierre Gianadda besuchen, wie auch das Römische Amphitheater sowie weitere Überreste der Römer.

In Bourg-Saint-Pierre hatte ich zudem nun die Zeit, das Dorf zu besichtigen wie zum Beispiel den kleinen Hügel mit dem Alpgarten zu besteigen und danach hinunter zur Brücke und der alten Mühle von Valsorey. Auch ein Blick auf die Überreste einer der ehemaligen Burgen gelang mir, wobei, da ist nicht mehr viel zu sehen. Die weiteren geschichtlichen Details kann man auf einer grossen Tafel beim Gemeindehaus nachlesen oder hier.

Schade, eigentlich, ist dieses Weitwandererlebnis nun auch schon wieder vorbei.

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