Jakobsweg Graubünden (Ardez-Susch)

von Ardez über Guarda und Lavin nach Susch entlang dem Jakobsweg Graubünden (Route 43)

Dienstag, 30. März 2021, ca. 3 ¾ h, ca. 14,0 km, 390m 390 m

Um dem Chalandamarz, dem Volksbrauch, bei dem die Dorfbuben mit Schellengeläut und Peitschenknallen dem Winter den Garaus machen, einmal beiwohnen zu dürfen, hätte ich vier Wochen früher ins Engadin fahren müssen, jedoch ist dieses traditionsreiche Frühlingsfest auch dieses Jahr wieder der Corona Pandemie zum Opfer gefallen.

Das Engadin in verschiedenen Jahreszeiten zu erleben und dabei meinen im 2019 begonnenen Weg entlang dem Jakobsweg Graubünden fortzusetzen, bewegte mich an jenem sonnigen und warmen Tag dazu, ins Unterengadin zu reisen. Ab Zürich HB dauert die Fahrt mit Umsteigen in Landquart nur gerade zweieinhalb Stunden.

Kurz nach elf Uhr traf ich in Ardez ein und ass zuerst ein mitgebrachtes Sandwich und trank etwas Wasser. Essen und Trinken ist im Zug zwar erlaubt doch ist es nicht unbedingt ratsam, die Maske abzunehmen. Anschliessend lief ich hinauf zum Dorf, dieses ist in Ardez nicht weit oberhalb der Station, in Guarda aber schon. Das Dorf Ardez habe ich mir im Sommer 2019 bereits genau angeschaut, so folgte ich gleich dem Wegweiser der Route 43, der aufwärts wies und auf dem Guarda von Hand ergänzt war. Etwas weiter oben merkte ich, dass dieser Weg entweder nach Scuol führt oder entlang dem Winterwanderweg nach Guarda, der Jakobsweg Graubünden geht zuerst durchs Dorf hindurch und unten entlang weiter und liegt an diesem Tag im Schatten. Ich jedoch war gleich an der Sonne und lief auf Schnee statt auf Hartbelag und kam sogleich noch in Genuss von Winterwandern. Ich hatte sogar die passenden Schuhe an.

Bald kam ich zum Weiler Bos-cha, der nur aus ein paar Dutzend Häusern besteht. Hier habe ich mit 1’664 m den höchsten Punkt der Wanderung erreicht. Nun führt der Weg leider auf Hartbelag weiter, mit Ausnahme von einem ganz kleinen Wegstück etwas oberhalb, auf dem noch viel Schnee lag und tiefes Einsinken garantiert war. Schön an der Sonne durfte ich nach Guarda wandern, das 300 m über dem Inn, auf der Sonnenterasse liegt. Dieses Dorf inspirierte Selina Chönz damals zur Geschichte des «Schellen-Urslis». Im Sommer wird das Dorf von vielen Touristen besucht. Ein grosser Parkplatz steht dafür etwas unterhalb des Dorfes. An diesem Tag war er praktisch leer. Dankbar war ich jedoch über die saubere Toilette, die ich dort vorfand.

Bis zur ersten Kurve musste ich noch der Fahrstrasse folgen, danach bog der Wanderweg rechts ab und folgte einem Hangeinschnitt entlang und führt nach Lavin hinunter. Auch dies ist ein schmuckes Dorf. Über eine alte Holzbrücke gelangte ich auf die andere Seite des Inn und wieder auf einen Winterwanderweg kombiniert mit der Langlaufloipe. Die Spur war teilweise noch sehr gut, andernorts aber schon ziemlich verschmutzt von abgeworfenen Lärchennadeln bedeckt. Ich genoss es dem Rauschen des Inns und dem Gesang der Vögel zu lauschen. Das Laufen im Schnee war angenehm, der Weg, gut präpariert und ohne Einsinken zu begehen. Bis Susch war es dann doch noch ein gutes Stück Weg, ich war zeitlich gut dran. Länger gerastet hatte ich nur kurz vor Guarda auf einem Bänkli an der Sonne. Auch in Susch fand ich nochmals ein Bänkli vor auf dem ich die letzten Sonnenstrahlen aufnehmen durfte, bevor ich hinauf zum Bahnhof lief um noch eine kurze Weile auf meinen Zug zu warten. Kaum im Zug gings hinein in den Vereinatunnel und auf der anderen Seite befand ich mich wieder im Prätigau. Nochmals genoss ich die Fahrt in der Abendsonne und meine, dass es sich durchaus lohnt, für einen Tag ins Engadin zu fahren, um dieses in der Übergangszeit zwischen Winter und Frühling zu erleben.

Link zu früherem Beitrag über Ardez aus 2019

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