Rhein-Reuss-Rhone Pilgerweg: von Andermatt bis Gletsch

Tag 4: von Hospental nach Tiefenbach DFB Station, Samstag, 09. Juli 2022, ca. 3½ h, ca. 11,4 km, ⇑ 790 m ⇓ 140 m

Am nächsten morgen fuhr ich mit der Bahn durch den Furka Basistunnel bis Hospental. Nach dem kurzen Abstecher hinauf zum Dorf wanderte ich gemütlich der Furkareuss entlang und am kleinsten Dorf der Schweiz, Zumdorf, vorbei nach Realp.

Dann aber ging es erst richtig zur Sache, an den Aufstieg zum Furkapass. An der Station der Furka Dampfbahn erkundigte ich mich noch nach der Möglichkeit, in Tiefenbach auf die Bahn zuzusteigen und kaufte kurzentschlossen für CHF 50.- das Ticket.

Es gab zwei Gründe weshalb ich mir diese Ausgabe leistete. Einmal, da sich die Gelegenheit auf eine Fahrt mit der Furka Dampfbahn anbot, der zweite und ausschlaggebender Grund war der nötige Aufstieg zu Passtrasse hoch um zum Bus zu gelangen Als ich aus dem Zugfenster zum steilen Hang hinüber blickte, habe ich diese Ausgabe nicht bereut.

Schon von weitem ist der rote Bahnwagen sichtbar, der die Station der DFB anzeigen soll. Auf dem Wegweiser stand dann auch „Haltestelle Tiefenbach DFB“, ohne Zweifel, hier wäre also der Zustieg. Jedoch trennt eine kleine Böschung und ein Elektrozaun den Zugang. Ich lief noch ein Stück weiter und setzte mich vorerst eine Weile hin, nahe der jungen Furkareuss.

Zeitig näherte ich mich der Haltestelle und kroch notgedrungen unter dem Zaun hindurch. Von einem Bähnler erfuhr ich später, dass nur selten jemand dort oben zusteigt.

Die Fahrt mit der Dampfbahn war in der Tat ein tolles Erlebnis, man darf auch die Fenster herunterlassen und den Kopf hinaushalten, so, wie ich es von früher in Erinnerung habe.

Vor dem Tunnel gab es noch einen längeren Halt, es gibt dort ein Verpflegungszelt, was regen Anklang findet. Die Stationen Tiefenbach und Belvedere jedoch sind in erster Linie für das Nachfüllen des Wassertankes und weniger als Zustieg/Ausstieg gedacht.

Kurz nach vier Uhr verliess ich in Gletsch die Bahn, die noch bis Oberwald weiterfährt. Das Postauto brachte mich in wenigen Minuten zum Hotel Rhonequelle zurück.

Tag 5: von Tiefenbach Hotel hinunter zum Bahntrasse, hinauf zur Furkapasshöhe und Abstieg nach Gletsch, Sonntag, 10. Juli 2022, ca. 4 ¼ h, ca. 11,8 km, ⇑ 660m ⇓ 1000m

Am morgen brachte mich Mario wieder zum Bahnhof hinunter damit ich den Zug um 07:42 nach Hospental nehmen konnte. Das Hotel hat mir diesen Fahrdienst organisiert, da nur wenige Postautokurse pro Tag verkehren. Auch fährt am Morgen von der Walliserseite kein Kurs über den Furkapass. Man muss also von der Urner Seite hochfahren.

Mental war ich auf den steilen Abstieg vom Hotel Tiefenbach hinunter zum Wanderweg vorbereitet, ich konnte ja am Vortag aus dem Zugfenster einen Blick darauf werfen. So wusste ich, was mich erwartet. Das Gras war dann auch recht nass und hochgewachsen, ich musste sehr vorsichtig sein um einen Fehltritt zu vermeiden und nicht auszurutschen.

Unten angelangt, musste ich noch mit den Wanderstöcken eine Horde Rindviecher verscheuen. Die meinten es bestimmt nicht böse, wollten nur schauen und hallo sagen, doch mir war eben gar nicht danach. Erst nachdem ich laut wurde, zogen sie ab und ich flüchtete rasch über den Elektrozaun. Eine sehr, sehr wackelige, kurze Hängebrücke folgte, dann war ich wieder dort angelangt, wo meine Wanderung am Vortag endete.

Sanft steigt der Weg stetig an, nach etwa zwei Stunden kam ich zur Haltestelle Furka mit dem Verpflegungszelt. Ein Zug fuhr gleich los und es gab wieder Platz an den Tischen. Ein Apfelschorle und die Birne vom Frühstückstisch gaben mir wieder Energie. Die war auch nötig, denn gleich hinter der Station geht es steil in die Höhe.

Langsam lief ich Kehre um Kehre den Hang hoch. Bald erblickte ich in der Ferne das Hotel Tiefenbach und hatte in etwa die Höhe von über 2000m erreicht.

Bald konnte ich auch die Passstrasse sehen und später das Hotel Furkablick mit der sehr einladenden Terrasse. Die Einkehr musste ich mir aber vorerst noch mit ein paar weiteren hundert Höhenmeter mehr erarbeiten. Der Furkapass ist, mit seinen 2431m. ü. M. einer der höchsten befahrbaren Alpenpässe der Schweiz.

Oben angekommen war ein weiteres Apfelschorle nötig, um wieder zu Kräften zu kommen.

Bis zur Passhöhe ist es nicht mehr weit, der Wanderweg führt etwas oben durch, so dass man dem regen Verkehr ausweichen kann. Viele PW‘s, Camper, oder Motorräder machen einen Halt auf der Passhöhe. Eine Toilette sucht man dort aber vergeblich. 😬

Hinter dem grossen Parkplatz beginnt der Abstieg. Zuerst geht es über losem Schiefergestein steil abwärts, weiter unten folgt Wiesland. Ein paar Schafe weideten friedlich und beachteten mich nicht. Zwei, drei Wanderer kamen mir entgegen.

Mir fällt die Vielfalt an Blumen auf.

Bald schon konnte ich die Station DFB Muttbach Belvedere sehen und etwas weiter unten die Passstrasse, wo sich die Bushaltestelle befindet. Zwar hatte ich vor, von dort per Bus nach Gletsch hinunter zu gelangen, doch war ich zeitlich so gut dran, dass ich den restlichen Abstieg auch noch wagte.

Ein schöner breiter Weg führt unterhalb der Strasse abwärts. Auf der Walliserseite des Passes wurde das Gras abgemäht, so dass man sieht, wo man hintritt. Schon wegen dem guten Blick auf den Gletscher, respektive, wo er sich einmal befand, hat es sich gelohnt, das letzte Stück doch zu Fuss zu gehen.

Es gibt nicht viel, womit man in Gletsch die Wartezeit verbringen könnte. Das nostalgische Hotel „Glacier du Rhone“ wie auch das Museum ist zu. Beides soll saniert werden. Einkehrmöglichkeit gibt es also keine. Ein kleiner Park mit morschen Bänken ist alles, was Gletsch zurzeit zu bieten hat. Lässt sich hoffen, dass das Traditionshotel seine Tore später wieder öffnet.

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