Idyllisches Verzascatal oder die falschen Schuhe

Dienstag, 29. September 2020: Lavertezzo und der völkerkundliche Weg Revöira, respektive, sofern man es schafft, ins Verzascatal zu gelangen. Eckdaten der Rundwanderung: ca. 3h, ca. 8,7km, 490 m 490 m

An einem sonnigen Herbsttag ins Tessin fahren? Wie kann man nur! Es ist zwar mitten in der Woche, die Sommerferien sind lange vorbei, und erst in einigen Kantonen haben die Schüler nun Herbstferien, doch nicht das schien das Problem gewesen zu sein, sondern das schöne Wetter. (und die vielen Senioren)

Eigentlich wäre ich gerne nochmals im Engadin wandern gegangen, doch die Aussichten auf das nasskalte Wetter mit ordentlich Niederschlägen hielt mich davon ab und ich suchte nach einer Alternative. Im Tessin sah es wettermässig recht gut aus. Bei der Auswahl einer geeigneten Wanderung achtete ich darauf, dass ich keine Zugverbindung Zürich-Milano nehmen musste, ich dachte zuerst an das Centovalli mit den Möglichkeiten in Verdasio mit einer Seilbahn entweder nach Rasa oder zum Monte Comino hinaufzufahren, doch Seilbahnen stellen immer auch wieder Pufferzonen dar. So kam ich auf die Idee, doch ins Verzascatal zu fahren, wo ich vor drei Jahren schon einmal war. Maya sagte mein Vorschlag zu und so trafen wir uns im Voralpenexpress Richtung Art-Goldau.

Voller Vorfreude besprachen wir noch kurz unsere geplante Wanderung, da fielen mir ihre weissen Sneakers auf, nun ja, dachte ich, die Wanderschuhe wird sie wohl im Rucksack verstaut haben, Maya ist immer zweckmässig ausgerüstet, wenn wir zusammen wandern gehen. Doch dann erklärte sie mir, dass sie diese Schuhe zum Gang in die Bäckerei trug, danach aber vergass, die Schuhe zu wechseln 😊 nun ja, solange sie nicht in den Pantoffeln aufbricht, ist es halb so schlimm, wir werden unsere Wanderung eben den Schuhen anpassen, meinten wir lachend und dachten dabei immer noch ans Verzascatal. Der Zug fuhr mit Verspätung in Bellinzona ein, der Anschlusszug war bereits abgefahren, wir werden nun leider erst eine Stunde später ins Verzascatal fahren können. Wir müssen die Wanderung nun sowieso etwas kürzen, um zu einer guten Zeit wieder die Heimfahrt antreten zu können. In Bellinzona genehmigten wir uns einen Kaffee und nahmen gleich den nächsten Zug nach Tenero, damit wir uns eine halbe Stunde vor Abfahrt des Postautos an der Haltestelle einfinden.

Immer mehr Personen kamen hinzu, die wollen alle auch ins Verzascatal? Sicher werden sie genügend Busse bereithalten, um die viele Besucher ins Tal zu bringen, dachte ich optimistisch, so zumindest war es vor drei Jahren. Der Bus kam, diejenigen, die das Glück hatten, dass der Einstieg grad vor ihrer Nase war, drängten sich hinein, dann war fertig, einige wurden sogar angewiesen, wieder auszusteigen. Wir warteten, bald kam noch ein Bus, doch dieser war auch bereits gefüllt. Einige drängten sich trotzdem noch hinein, die restlichen zirka 30 Personen blieben zurück und warteten weiter. Es kam kein zusätzlicher Bus mehr. Der nächste Bus würde erst wieder in einer Stunde fahren, doch dann lohnt sich die Fahrt ins Tal nicht mehr, es war inzwischen fast Mittag und zum Wandern bleibt dann kaum noch Zeit. Maya und ich stiegen also in den nächsten Zug nach Locarno, dort wollten wir weitersehen. Als wir in Locarno eintrafen, waren der Zug ins Centovalli oder der Bus ins Maggiatal kurz vorher abgefahren, was machen wir nun, sollen wir hier eine Stunde warten, am See spazieren gehen oder in einen anderen Bus steigen. Kurzentschlossen nahmen wir in den Bus nach Ronco sopra Ascona.

Unsere heutige Wanderung wird somit immer kürzer, in zirka 1 ½ Stunden ist man wieder in Ascona unten am See. Ein eigentlicher Wanderweg ist es auch nicht, wir folgten dem Wegweiser entlang einer Zufahrtsstrasse oben am Hang, begutachteten die Häuser, an denen wir vorbei kamen, setzten uns auf ein Bänkli für unser Mittagessen, folgten dem steilen Treppenweg hinunter zum See und dem Trottoir bis zur Seepromenade. Da wollten wir Ausschau nach einem passenden Lokal mit Seeblick und gemütlicher Sitzgelegenheit halten. Dieses fanden wir bald und hatten Glück, dass wir uns in die Lounge ganz vorne am See setzen durften. Das Glacé war bald ausgewählt und bestellt.

Und dann stand  noch die Frage an, wer von uns beiden heute nun zweckmässig eingekleidet war. Ob die Maya in ihren weissen Sneakers, Jeans, Kurzarm T-Shirt mit Jäckli? Oder ich, in Wanderschuhen, Outdoorhose und in einem in die Jahre gekommenem Langarmhemd, dazu warmer Unterwäsche, derer ich mich teilweise bereits entledigen musste?

Bald zog ein kühler Wind auf, wir machten uns frühzeitig auf zum Bus, wir müssen ja noch nach Locarno um dort die Heimreise anzutreten. Der Bus kam dann viel zu spät, war komplett überfüllt und wir schafften es grad noch knapp auf den Zug nach Bellinzona. Auch dieser war übervoll, nur waren hier auch Tessiner unter den vielen Fahrgästen. Im Zug nach Zürich liessen wir beide den Tag nochmals Revue passieren. Wir hatten tolles Wetter, konnten nochmal ein wenig Sonne tanken und hatten Zeit zu guten Gesprächen. Doch zum Wandern werden wir in Zukunft wieder andere Regionen berücksichtigen, die weniger überfüllt sind.

Das Verzascatal muss warten statt dessen muss das angefügte Video genügen.

idyllisches Verzascatal Video

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