Lägh da Bitabergh und Lägh da Cavloc

Rundwanderung ab Maloja zu zwei idyllischen Bergseen

Samstag, 22. August 2020, ca. 3h, ca. 10km, ⇑ 400 m ⇓ 400 m

Der Tag begann wolkig aber trocken, die Sonne zeigte sich spärlich zwischen den Wolken, es hat kaum merklich abgekühlt. Nach dem Frühstück lief ich ein Stück entlang der Passstrasse. Gegenüber dem Maloja Kulm blickte ich noch kurz über den Felsen hinunter ins Bergell und folgte danach dem Wanderweg, der hangseitig abbog. Die Wanderung zu den beiden Seen bietet immer wieder eine Möglichkeit abzukürzen und umzukehren, sollte sich das Wetter verschlechtern.

Erstaunlicherweise war ich sogleich ganz alleine unterwegs jedoch nicht lange, sondern nur bis zum nahen Parkplatz und da waren sie, all die vielen Italiener, aha, parkieren ist hier kostenlos. Mit Sack und Pack, Picknickdecke unter dem Arm, schwärmten sie aus. Ich lies mich nicht stören, lief einfach dem Wegweiser Lägh da Bitabergh folgend über die Hochwasserschutzmauer Orden. Diese sieht zwar aus wie eine Staumauer doch ohne See, denn sie soll das Bergell vor allfälligen Wassermassen schützen. Bald verlief der rot weiss markierte Bergwanderweg recht rustikal über Wurzeln und grössere Steinbrocken auf und ab bis zum kleineren der beiden Bergseen. Eine kleine Aussichtsplattform bietet die Möglichkeit beim Aufstieg kurz anzuhalten. Nach einem weiteren kurzen steilen Anstieg kam eine sehr wacklige und schmale Hängebrücke über die groben Felsbrocken. Zuerst dachte ich, ich sei aus Versehen in einem Seilpark gelandet, doch dann sagte ich mir, „Augen zu und durch“ , dafür sachte. Vermutlich könnte die auch umgangen werden, doch bin ich eben dem ausgeschilderten „Schmugglerpfad“ statt dem Bergwanderweg gefolgt.

Dafür entschädigte mich der idyllische Ort voll und ganz, die wenigen Besucher sind soeben weitergezogen, ich war einen Moment ganz alleine hier am Bergseelein und genoss die Stille. Den halben See umrundete ich und lief weiter zum nächsten. Das Gelände wechselte zwischen weichem sandigem Boden und holprigem und steinigem Weg, einmal auf- und wieder abwärts. Auch hier gibt es immer wieder tolle Ausblicke, nur musste ich mich gut konzentrieren, die Steine waren nass und rutschig. Bald erblickte ich weiter unten Wasser und hörte Stimmen. Der Lägh da Cavloc mit den vielen schönen Plätzen und Grillstellen zieht also all das Publikum an. Baden wäre auch möglich, doch nur Hunde wagten sich ins Wasser. Auf einem grossen Stein machte ich kurz Pause und begab mich zum „Heidelbeerschmaus à Discrétion“.

Nun waren sie nicht mehr zu überhören, die vielen Italiener. Dass es keine Tessiner oder Bergeller waren, die ja auch Italienesch sprechen, nahm ich deshalb an, weil viele eine Hygienemaske unter dem Kinn trugen, das würden Schweizer nicht tun, (meine ich) schon gar nicht da draussen in der Natur, sie würden vermutlich auch in kleineren Gruppen unterwegs sein.

Es ist wirklich sehr schön hier oben und Platz hat es genug, Abstand halten wäre somit kein Problem. Kleine Kinder erfreuten sich an den vielen Ziegen, die so gar nicht scheu sind und sich sogar von ihnen umarmen lassen. Wie schön, dass die Kleinen das wenigstens noch dürfen.

Ich hatte gelesen, dass es im Bergrestaurant hier oben Bergeller Spezialitäten gibt, denn das Gebiet gehört ja zum Bergell. Hunger hätte ich zwar, doch darf ich es wagen noch einzukehren? Wolken ziehen auf und es wird kühler. Dann setzte ich mich kurz entschlossen doch noch an einen freien Tisch auf der Terrasse und bestellte Polenta mit Pilzen. Die ass ich dann aber rasch auf, bezahlte und machte es den vielen Ausflüglern gleich, die alle raschen Schrittes talwärts zogen. Bis Maloja ist es eine gute Stunde Weg. Donner war zu hören, jedoch weiter weg. Es nieselte leicht.

Dann plötzlich wechselte der Niesel in Platzregen um, so dass ich trotz Schirm und Rucksackschutzhülle komplett durchnässt, um vier Uhr Nachmittags in mein Hotelzimmer eintrat. Also raus aus den nassen Sachen, unter die Dusche und danach unter die warme Bettdecke vor den Fernseher. Ja, das ist nun der Nachteil von kurzen Hosen, das Wasser gelangt oben in den Schuh hinein, die Socken nehmen es wie ein Schwamm auf und leiten es ins Innere weiter, das muss man alles auch einmal erleben.

Für heute hatte ich keine Lust mehr, das Zimmer zu verlassen, obwohl es bald aufgehört hatte zu regnen. Ich war froh um die Resten an Gemüse und Brot, das mir als Abendessen genügte. Die nassen Sachen hängen im Badezimmer bei laufendem Heizlüfter, zumindest die Schuhe sollten bis morgen wieder trocken sein. Zur Not müsste ich mit dem Föhn noch nachhelfen.

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