Schluchten um und am Rhein

Eintauchen in die Welt der Schluchten 

Donnerstag, 12. Juli 2018 Badtobel Bad Ragaz, ca. 3h, und 10 km für den Hin-/ und Rückweg inkl. Schluchtenbesuch

Wo Berge sich erheben, liegt kühl und tief die Schlucht daneben..

Auch wenn das Volkslied etwas anders lautet, passt diese Version ganz gut zum nachfolgenden Beitrag:

In unseren Breitengraden sind Schluchten und Tobel  in Vielzahl vorhanden. Jede Schlucht ist speziell und einzigartig, sowohl in ihrer Beschaffenheit wie auch in deren Geschichte.

In früheren Zeiten stellten nicht die Pässe die grossen Schwierigkeiten, sondern das Durchqueren der vorgelagerten Schluchten, da dies meist mit grossen Gefahren verbunden war. Die Wege waren steil und abschüssig, das Kreuzen erschwert und bei Unwetter war der Weg noch gefährlicher. Viele Mythen und Sagen erzählen von Verunglückten. Heute ist das nicht mehr so. Die Berge oder Pässe stellen zumindest noch eine sportliche Herausforderung dar, sofern man sie zu Fuss in Angriff nimmt. Schluchten können heute meist relativ einfach begangen werden, da sie allesamt gut mit Stegen und Treppen gesichert sind. So gibt es eine Vielfalt an gut beschriebenen Wandervorschlägen, die durch Schluchten führen, vieles davon auch im Internet abrufbar.

Anlässlich unseres Kurzurlaubes von letzter Woche durften Evy und ich drei Schluchten besuchen, die mir zwar alle bereits bekannt sind, aber deren Besuch immer wieder aufs Neue spannend ist. Alle drei liegen relativ nah beieinander.

  • Die mythische Taminaschlucht mit dem Stollen bis zur Quellgrotte mit dem Thermalwasser
  • Die schreckliche und schöne Viamala Schlucht, die bereits von den Römer durchquert wurde
  • Die romantische Rofflaschlucht mit dem spektakulär erschaffenen Zugang zum Wasserfall

Diese drei Schluchten können bequem auch zusammen an einem Tag besichtigt werden, der Besuch kostet ein bescheidenes Eintrittsgeld. Die Anreise kann per ÖV oder PW erfolgen, noch schöner ist dies aber zu Fuss und in Verbindung mit einer leichteren oder einer ausgiebigeren Wanderung.

Unser erstes Ziel war also Bad Ragaz, wo wir in die Taminaschlucht wollten.

Etwas schwieriger war es, in Bad Ragaz einen Parkplatz zu finden, der nicht privat oder nur für Kurgäste reserviert war. Der Kiesplatz an der Strasse nach Pfäfers, gleich vor dem Tunnel, ist inzwischen ebenfalls privat. Somit ist es empfehlenswert, wenn möglich, mit den ÖV anzureisen oder am Bahnhof zu parkieren und durch den Ort laufen.

Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, mit dem Postauto direkt bis zum Alten Bad Pfäfers zu fahren, oder den Weg mit einer Postkutsche zurückzulegen, ganz nach Lust und Laune. Dies erlaubt es auch Personen, die nicht mehr so gut zu Fuss unterwegs sind, die Schlucht zu besuchen.

Trotz Mittagszeit und recht warmen Temperaturen, begrüsste uns das Badtobel unmittelbar beim Eingang mit einem angenehmen und kühlen Klima. Bereits hier faszinierten uns die steilen Felswände rechts und links, obwohl noch genug Licht hineinkommt. Das Rauschen der Tamina hat eine beruhigende Wirkung. Weit oben erblickten wir die gigantische 475m lange Bogenbrücke, die Valens und Pfäfers miteinander verbinden.

Dem Kiesweg folgten wir die gut vier Kilometer Weg mit wenig Steigung bis zum alten Bad Pfäfers, dieses beherbergt heute ein Museum. Man kann noch ein paar alte Gästezimmer und die Wannenbäder besichtigen. Wir verzichteten heute auf den Museumsbesuch und gaben uns voll und ganz dem Besuch der mystischen Schlucht hin. Knapp einen halben Kilometer darf der Besucher auf Holzstegen in die düstere Schlucht eindringen, bis es am Ende noch durch einen Stollen hindurch und direkt zur Thermalquelle geht. Obwohl diese nun mit einer Glaswand geschützt ist, kann man trotzdem vom 36.5 Grad warmen Wasser kosten, das gleich daneben aus einem Steinbecken sprudelt.

Die Schlucht ist hier sehr eng und nur wenig Tageslicht kommt durch. In ganz frühen Zeiten soll direkt hier gebadet worden sein, die Bandenden mussten entweder auf einer Leiter hinunterkletten oder wurden in Körben abgeseilt. Die Thermalquelle muss, gemäss Überlieferung, schon im Jahr 1240 entdeckt worden sein und bald erkannten Mönche des nahen Klosters die heilende Wirkung des warmen Wassers. Heute darf komfortabel im Thermalbad Bad Ragaz im warmen Wasser gebadet werden.

Tief beindruckt von diesem Schluchtenerlebnis fuhren wir Richtung Süden weiter. Wer auf der San Bernadino Strecke nach Süden unterwegs ist, durchquert die Viamala meist auf der Schnellstrasse, so bekommt man zwar nicht viel davon mit, erhält trotzdem einen ganz kleinen Eindruck davon. Wir folgten ab Thusis der alten Kantonsstrasse bis zum Viamala Kiosk und stiegen die vielen Stufen ganz hinunter und gingen der Galerie entlang bis zu den Strudeltöpfen und bestaunten das türkisblaue Wasser, das sich durch die engen Felswände hindurch zwängt. Der alte Säumerweg verlief natürlich oben am Hang entlang und nicht unten in der Schlucht, der Wasserstand war vor dem Bau der Suferser Staumauer auch höher. Und der Hinterrhein soll sein Flussbett mehrmals wieder geändert haben.

Wir hatten die Schlucht ganz für uns alleine, der Andrang des Tages war bereits vorbei, es war inzwischen Abend, also auch Zeit für uns, zum Gasthaus Rofflaschlucht aufzubrechen, wo wir übernachten werden. Diesen Kurzaufenthalt verdanke ich Evy`s Glück in Sachen Preisausschreiben, sie hat bei unserem letzten Besuch im Sommer 2016 an einem Wettbewerb mitgemacht und prompt gewonnen!

Im Gasthaus angekommen, bezogen wir unser mit Arvenholz ausgestattetes Zimmer und machten uns mit gutem Appetit ans Abendessen, frische Forellen mit Salzkartoffeln. Die Schlucht besichtigten wir erst am übernächsten Morgen, vor der Heimreise.

Die Rofflaschlucht mit dem Wasserfall ist, im Gegensatz zu den anderen, auf Privatgrund. Der Zugang zum Wasserfall wurde vor gut 100 Jahren in sieben jähriger strenger Handarbeit vom Besitzer und seiner Familie angelegt. Ohne dies wäre der Wasserfall nicht zu sehen. Hier ist die Kraft des Wassers, dem Ragn da Ferrera, der gleich weiter unten in den Hinterrhein mündet, deutlich zu hören und zu spüren.

Und damit endete unser Schluchten Erlebnis, und ich schliesse diesen Bericht ab, also bis zum nächsten Mal….

Taminaschlucht

Viamala Schlucht

Rofflaschlucht

Ein Gedanke zu “Schluchten um und am Rhein

  1. Danke! Wahnsinnig toll geschrieben, so packend! Ich wünschte mir ein zweites Leben, um all die imposanten Naturwunder erleben zu können, die du für uns entdeckst, fast vor der Haustüre. Sehr eindrücklich.

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