Etappe 19: von der Tannalp zur Engstlenalp, über’s Sätteli zur Tällihütte oberhalb Gadmen, Montag, 26.06.2023 ca. 4 h und 10,5 km, ⇑ 501 m ⇓ 755 m
Von der Tannalp ist man in ein einer knappen Stunde an der Engstlenalp angelangt und befindet sich somit wieder im Kanton Bern. Die kurze Passage mit ausgesetzten Stellen ist gut zu bewältigen. Am Hotel vorbei gelaufen, steht man oberhalb des idyllischen Engstlensees. Doch für ein erfrischendes Bad war es mir noch zu früh am Tag und der Weg noch zu weit.





Zuerst darf ich einem Alpweg folgen, bis dann ein schöner Bergwanderweg weiterführt. Auf dem gegenüberliegenden Bergkamm kommt die Tannalp wieder in Sicht und weiter vorne der Alpentower auf Planplatten Hasliberg. Man läuft also irgendwie im Kreis, wechselt einfach die Bergkette.




Es ist ja kaum zu glauben, dass dies nun die zweitletzte Etappe des ViaBerna Abenteuers ist, jetzt, wo ich grad so richtig meinen Rhythmus gefunden habe.
Es sind zwar nicht so viele Höhenmeter im Aufstieg zu bewältigen, doch das letzte Stück bis zum Sätteli und dann der Abstieg zur Tällihütte empfand ich als das technisch schwierigste Wegstück der ganzen Weitwanderung. Anderseits aber auch eine der schönsten Etappen!


Fast horizontal zwar, muss eine abschüssige Bergflanke gequert werden, einmal musste ich sogar nach einem Wasserlauf eine Kieshalde hinaufkriechen. Das letzte Stück bis zum Sätteli ist dann noch richtig steil, aber unproblematisch.


Oben angekommen, bin ich alles andere als erleichtert, ich sehe, was noch auf mich zu kommt. Ein sehr steiler Abstieg zwischen Felsbändern, hohe Tritte in Felsen, die Drahtseile meist nicht dort, wo man sie gebraucht hätte. ☹
Vorsichtig, Kehre um Kehre nehmend, stieg ich ab, nahm mal die Wanderstöcke zu Hilfe, mal wieder beide Hände. (Daher leider keine Bilder, man schaue sich jene an, die in der SchweizMobil Karte hinterlegt sind)
Nach einem letzten steilen und mit Wurzeln durchzogenen Wegstück durch ein Wäldchen sehe ich die Tällihütte vor mir und daneben die Seilbahnstation.
Auf der Sonnenterasse der Tällihütte bei einem kühlem Getränk und einem Stück Kuchen ist die ganze Anspannung bald vergessen.
Nichts hätte mich noch dazu ermutigen können, zu Fuss nach Gadmen abzusteigen, (es wären noch 600 Höhenmeter) wenn da eine Seilbahn steht, die einem in wenigen Minuten zu Tale führt. Unten angelangt, ist es dann noch eine knappe halbe Stunde Weg, bis zum Dorf Gadmen und dort wurde ich im Hotel Gadmenlodge erwartet.
Und mir wird noch einmal bewusst, wie nah ich bereits an meinem Ziel, der Sustenpasshöhe angelangt bin.
Etappe 20: Gadmen – Steingletscher, Dienstag 27.06.2023 ca. 3h und 7,5 km, ⇑ 782 m ⇓ 115 m
Der Alte Sustenweg mit seinen Natur-Stützmauern und Steinplatten und eingebettet in eine wilde Berglandschaft, soll als eine der schönsten Passrouten der Schweiz gelten. Dem kann ich voll zustimmen. Sehr zu schätzen ist auch, dass man abseits vom Strassenverkehr dem alten Passweg folgen kann und nur die tosenden Bergwasser die Stille durchbrechen.





Obwohl eine Handelsrute über den Sustenpass spätestens ab dem Mittelalter nachgewiesen ist, blieb diese aber, ausser bei zeitweisen Sperrungen, immer unbedeutender als die Nord-Süd-Handelsrouten Brünig–Grimsel–Gries/Albrun im Westen und Gotthard im Osten und diente vor allem dem regionalen Verkehr.
Die letzte Etappe, von Gadmen bis zur Passhöhe, wird mit gut vier Stunden reiner Gehzeit ausgeschrieben, doch sind nochmals über elfhundert Höhenmeter zu überwinden. Schon bei der Planung stand für mich fest, dass ich die letzte Etappe aufteilen und so besser auskosten möchte. So habe ich im Berghotel Steingletscher nochmals eine Übernachtung gebucht.


Früh am nächsten Morgen und ohne Frühstück habe ich mich auf den Weg gemacht. Der Himmel ist wolkenverhangen, die Luft frisch und leicht. Regen ist erst gegen Nachmittag zu erwarten. Schade nur, dass so die Gadmer Dolomiten nicht mehr zum Vorschein kommen.
Nach einer Stunde Weg, der Gadmerwasser entlang, lädt bei Schwarzenbrunnen ein Picknickplatz mit Blockhütte und Brunnen zu einem Halt ein. Das kam grad richtig für mein Frühstück.


Etwas später tangiert der Wanderweg fast die Passtrasse und es hat eine Postautohaltestelle dort. Doch bei den wenigen Kursen über den Pass ist diese kaum von Nutzen. Nach einer Alpsiedlung wird die Uferseite der Steinwasser gewechselt, eine Schaf-und Ziegenweide darf gequert werden und dann geht es steiler aufwärts.
Ich wusste nicht, was die Tiere von mir erwarteten, eine grössere Ziege kam mich freudig begrüssen und leckte meine Hand. Dann aber ein lautes Määääh und die ganze Herde kam angerannt, vor allem viele Schafe. Ich musste sie mit Geräuschen und meinen Stöcken vertreiben. Die eine Ziege begleitete mich noch ein Stück und liess dann auch von mir ab.


Weiter oben führt der Weg durch sumpfige Moore und auf Steinplatten fast flach weiter. Der Himmel ist etwas heller geworden, die Sonne zeigt sich jedoch kaum. Die Berglandschaft ist atemberaubend. Ich geniesse alles nochmals in vollen Zügen.
Im Hotel Steingletscher angelangt, ass ich zu Mittag. War dann sehr froh, dass es doch noch ein freies Zimmer gab, obwohl mir zuerst nur ein Platz im Massenlager zugesichert werden konnte. So durfte ich ein Nachmittagsschläfli halten, was im Massenlager, das vorwiegend von Schulklassen belegt war, eher schwierig gewesen wäre. Auch draussen hätte ich den Nachmittag nicht verbringen wollen, denn es hat wieder angefangen zu regnen.


Der Schluss: Steingletscher zur Sustenpasshöhe, Mittwoch, 28.06.2023 ca. 1½h und 3 km, ⇑ 400 m ⇓ 50 m
Etwas länger schlafen als sonst, gemütlich frühstücken und dann zum letzten Mal den Rucksack packen, ein seltsames Gefühl.
Gleich hinter dem Berghotel führt der Wanderweg weiter zum Pass hinauf, zuerst über angeschwemmtes Geröll, dann auf dem Trasse des alten Sustenweges. Lange ist die Sicht auf den Steinsee und den spärlichen Rest vom Steingletscher gegeben. Der Lärm der Motorfahrzeuge, entlang der Passstrasse ist nicht mehr zu überhören, willkommen in der Realität des 21. Jahrhunderts.




Die Fahrstrasse muss zweimal überquert und zweimal muss ihr kurz gefolgt werden, und schon ist man oben am grossen Parkplatz vor dem Restaurant Susten Kulm angelangt. Biker und Motorradfahrer machen Selfies mit der blauen Tafel im Hintergrund. Ich mache es ihnen gleich, jedoch mit dem Zielstein der ViaBerna Weitwanderung. Die Infotafel ist vom Schnee umgefallen und noch nicht wieder aufgestellt.


Etwas weiter oben ist noch das Berggasthaus Susten Hospitz, dahin bin ich für mein Mittagessen gegangen. Vorher jedoch, da ich viel zu früh dran war, habe ich mir noch ein windgeschütztes Plätzchen gesucht und habe, in Schlafsack und Jacke eingehüllt, noch ein wenig in meinem Buch gelesen.

Mit dem Postauto nach Göschenen und von dort via Arth Goldau bin ich anschliessend heimgefahren, um eine tolle Erfahrung reicher und mit der Gewissheit, dass dies nicht meine letzte Weitwanderung in der Schweiz sein wird.

auf das Einfügen von Karten habe ich bewusst verzichtet, denn diese können in der SchweizMobil App oder anhand diversen Websites, wie zum Beispiel dem unten eingefügten Link, nachgeschaut werden.