Etappe 1: von Bellelay nach Tramelan, Donnerstag, 01.06.2023 ca. 3 ¼ h und 11,6 km, ⇑ 380 m ⇓ 335 m
Endlich ist es soweit, mein Wanderabenteuer ViaBerna darf beginnen. An den grossen Rucksack und die Bergschuhe muss ich mich erst wieder gewöhnen. Die Tour beginnt gleich mit einem Anstieg, zuerst durch Wohngebiet und dann später im Wald bis zu einer Anhöhe mit Rastplatz, wo ich mir eine erste Pause gönnte.
Ich wandere in Gegenrichtung aufgrund der kürzeren Anfahrt ohne Wartezeiten. Das hat dann auch den Vorteil, dass einem am Ende der Wanderung in Bellelay der Besuch im »Maison de la Tête de Moine» möglich ist. Dort soll der Ursprungsort des bekannten Halbhartkäses aus naturbelassener Rohmilch sein.
Durch Wälder und Weiden führt der Weg den Jurahöhen entlang und am Ende noch durch das Hochmoor La Sagne. Die noch ursprüngliche Landschaft mit den weiten Weideflächen soll die Besonderheit des Jura auszeichnen. Mit allen Sinnen stimme ich mich auf die kommenden Tage ein. Akustisch durch das Vogelgezwitscher und dem fernen Geläute der Kuhglocken und geschmacklich durch die unterschiedlichen Pflanzendüfte, die mir immer wieder durch die Nase ziehen.





Erst am frühen Nachmittag treffe ich in Bellelay ein. Auf halber Strecke an einem schönen Plätzchen habe ich mir eine lange Mittagspause gegönnt.
In einem Historischen Nebengebäude der Abtei Bellelay ist ein Museum und ein Laden untergebracht.


Anschliessend bringt mich der Bus durch verschiedene Juradörfer nach Tramelan zurück, wo ein Bett im CIP Hotel auf mich wartet.
Etappe 2 : von Tramelan zum Mont Crosin und Mont Soleil und Talfahrt mit der Bahn nach Saint-Imier, Freitag, 02.06.2023 ca. 4 ¼ h und 15,3 km, ⇑ 580 m ⇓ 302 m
Gut ausgeruht mache ich mich wieder auf den Weg. Als erstes geht es hinauf zum Mont Crosin, dem Gebirgspass auf 1227m ü. M. auf dem heute ein Windpark betrieben wird. Der Weg führt zuerst durch den Wald und dann weiter oben eher flach auf einem breiten Kiesweg entlang. Kurz bevor der Weg wieder über Weideland führt, bei Chalet-Neuf, gibt es eine Buvette mit einer netten, berndeutsch sprechende Bauersfrau und einer verschmusten Katze. Da durfte ich meinen Durst löschen.
Auf staubigem Kiesweg und immer begleitet von den Geräuschen der vielen Windturbinen laufe ich weiter. Bald wechselt die Windkraft zu Sonnenkraft, denn das grösste Sonnenkraftwerk der Schweiz steht auf dem Mont Soleil, einem weiteren Hügelzug, der durch eine Standseilbahn mit Saint Imier erschlossen ist.
Beide Hügelzüge scheinen sehr beliebte Ausflugsziele zu sein, mir begegnen jedoch mehr Bikes als Wanderer, was ich gut verstehe, ist es doch mit der Zeit eher eintönig, hier oben zu wandern. Sitzgelegenheiten sind auch keine vorhanden.



Den Chasseral, mein Ziel für den nächsten Tag, sehe ich bereits auf der gegenüberliegenden Seite. Noch ein kurzer Abstieg zur Bahn und ich nehme dankbar vom Angebot einer knieschonenden Talfahrt Gebrauch.

Etappe 3 : von Saint-Imier durch die Combe Grède zum Gipfel des Chasseral, Samstag, 03.06.2023 ca. 3h und 6,8 km, ⇑ 858 m ⇓ 100 m
Die Schluchtenwanderung durch die Combe Grède hinauf zum Gipfel des Chasseral gilt zweifellos als einer der Höhepunkte der ViaBerna Weitwanderung.



Früh am Morgen, noch bevor die ersten Tageswanderer unterwegs sind, bin ich bereits in der Schlucht, dem Naturschutzgebiet, umgeben von fast vertikalen Felswänden. Noch geniesse ich die Ruhe, die lediglich durch das Rauschen von Wasser und gelegentlich von herabrollenden Steinen durchbrochen wird.
Der Aufstieg über die in den Felsen geschlagene Tritte wird nach und nach steiler, er ist zwischendurch mit Geländer und Drahtseilen gesichert.




Die Luft ist kühl, ins Schwitzen komme ich trotzdem. Bald schon werde ich von Sportwanderern überholt, etwas später begegnete ich den beiden nochmals, aber nicht etwa, weil ich sie überholt habe, sondern, weil sie sich bereits wieder auf dem Rückweg befanden.
Am Ende der Schlucht, nachdem ich die drei Metallleitern hinaufgeklettert und spektakuläre Eindrücke genossen habe, kommt ein kleiner Rastplatz. Der Gipfel des Chasseral auch schon in Sicht.



Doch das letzte Stück, es sind noch etwa dreihundert Höhenmeter zu überwinden, hat es noch in sich, immer wieder musste ich kurz stehen bleiben und einen Blick hinüber zum Mont Soleil zu werfen.

Doch dann ist der Aufstieg geschafft, auf der Terrasse vom Hotel genoss ich die Aussicht zur anderen Seite, zu den drei Seen.
Den Abstieg nach Nods erspare ich mir und besteige einen der wenigen Postautokurse über den Chasseral. (fährt nur am Wochenende!)
In Nods wartete Mactar, und da ich ihm von der tollen Aussicht von oben vorschwärmte, sind wir mit dem PW nochmals zum Chasseral hochgefahren. Anschliessend fuhren wir nach Enges, oberhalb dem Neuenburgersee, weiter und übernachteten im Hotel du Chasseur. In der Buvette du Port in St. Blaise unten am See durften wir vorzüglich zu Abend essen. ( man sollte vorher reservieren, ansonsten bekommt man nur mit sehr viel Glück noch einen Platz)
Der Sonntag, 04.06.2023 war Pausentag
Etappe 4: von Nods nach Les Près-d’Orvin, Montag, 05.06.2023 ca. 5 h und 17,6 km, ⇑ 766 m ⇓ 775m
Ein weiterer Wandertag wartet auf mich.
Die Bergschuhe hat Mactar mit nach Hause genommen und mir dafür die leichten Wanderschuhe gebracht. Zwei Blasen habe ich mir schon eingefangen. Froh bin ich auch, dass ich nicht jeden Tag all meine Sachen mitschleppen muss, da ich nicht täglich die Unterkunft wechsle.
Wieder geht es durch bewaldete Weiden und grüne Wälder hinauf zum Mont-Sujet, nochmals diese ursprüngliche Naturschönheiten.
Eine etwas uneinsichtige Kuh stand mitten auf meinem Weg und direkt vor dem Durchgang. Es brauchte einiges an Geduld und gutem Zureden, bis sie sich endlich zu den anderen gesellte und mir den Weg freigab.







Oben auf 1382 m ü.M. angelangt, genoss ich kurz die tolle Aussicht, da aber eine Herde mit Kühen und Kälber weidete, zog ich es vor, weiterzulaufen. Auch die versperrten den Weg, ich musste einen weiten Bogen um sie herum machen. Etwas weiter unten endlich durfte ich rasten.
An zwei Alpen vorbei gelangt man hinunter zum Wintersportgebiet Les Près-d’Orvin mit Bushaltestelle. Auch hier verzichtete ich auf den weiteren Abstieg bis nach Magglingen, dem Zielort der Etappe 4.
Etappe 5 : von Evilard/Leubringen via Taubenlochschlucht nach Biel, Dienstag, 06.06.2023 ca. 2 ¼ h und 9,1 km, ⇑ 80 m ⇓ 332 m
Unweit meiner Unterkunft in Biel befindet sich die Leubringenbahn. Von der Bergstation aus gelangt man in einer guten Stunde über einen steinigen und mit Wurzeln durchzogenen Weg zur Taubenlochschlucht hinunter. Dort wollte ich auf Claudia treffen, die mit dem Zug nach Frinvillier anreist. Die Zeit reichte mir noch gut, bis zur Bahnstation hochzulaufen und dort auf sie zu warten.
Der Gasthof am Eingang zur Schlucht hat Dienstag geschlossen, einen Laden oder Kiosk sucht man im Ort vergebens. Das Wegstück von der Bahnstation zur Schlucht ist nicht besonders interessant. Ich würde wieder den kurzweiligen und schönen Weg durch den Wald ab Evilard nehmen, sollte ich wieder einmal hierhin kommen.
Jedoch der abwechslungsreiche Spaziergang durch die mystische und romantische Schlucht hat sich wirklich gelohnt. Dass es ein solches Idyll gleich in Stadtnähe überhaupt gibt. Die Schüss hat ganze Arbeit geleistet, als sie sich ihren Weg durch die Felsen suchte, um dann in den Bielersee zu münden.








Nur allzu schnell ist das Spektakel schon wieder vorbei, man kann sich das Ende noch etwas herauszögern, indem man noch ein paar Pausen einschiebt. Dazu gibt es auch ein paar Sitzgelegenheiten und Rastplätze. Durch den Stadtpark und dem Schleusenweg entlang gelangten wir wieder zur Unterkunft. Am Nachmittag blieb noch genügend Zeit zu einem Spaziergang zum See. Hätte ich die Etappe 5 jedoch in Magglingen begonnen, wäre ich dazu bestimmt zu müde gewesen.
Etappe 6: Biel Nidau nach Aarberg, Mittwoch, 07.06.2023 ca. 5 h und 19 km, ⇑ 267 m ⇓ 253 m
„dere schöne, schöne grüene Aare nah“
Doch zuerst geht es ein Stück der Zihl entlang und dann hinauf zum Jässberg, dann, noch ein letzter Blick auf Biel werfend, wieder hinunter nach Studen. Für einige Kilometer führt der Wanderweg durch besiedeltes Gebiet, bis man endlich dem Lauf der Alten Aare folgen darf. Dieses Teilstück fand ich nicht so toll.
Dem ursprünglichen Flussbett der Aare folgend gelangt man dann auf schattigen Wegen und weichem Boden bis ins Städtchen Aarberg.
Das Auengebiet der Alten Aare ist heute ein Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung. Durch die vielen Revitalisierungen wird nicht nur ein wertvoller Lebensraum geschaffen, sondern auch der effizienteste Hochwasserschutz gewährleistet.




Obwohl kaum Höhenmeter zu überwinden waren, hat mich der Wandertag doch sehr ermüdet. Die Beine schmerzten und ich spürte mein Knie. Nun ja, es waren doch neunzehn Kilometer und solche Strecken bin ich nicht mehr gewohnt. Im Gasthof Schwanen in Radelfingen angelangt, wollte ich für den Rest des Abends nur noch die Beine hochlagern und früh schlafen, um am nächsten Morgen wieder fit zu sein.
In der Altstadt Aarberg sind die Vorbereitungen zum Stars of Sounds 2023 voll im Gange, so ist das Fotografieren nahezu unmöglich. Dafür habe ich am Folgetag, als ich noch zu einem frühen Znacht in Aarberg weilte, eine kleine Kostprobe der Musik erhalten, vermutlich der Soundcheck.