Via Gottardo Etappe 16, Bellinzona – Tesserete

Dienstag, 12. August 2025

(Bellinzona – Giubiasco mit dem Zug dann kurze Runde hinauf zu den“Hungerfestungen“)

Es wurden wärmere Temperaturen vorausgesagt und dann ist wandern nur vormittags sinnvoll.

Bereits kurz vor acht traf ich in Bellinzona ein, bis Camorino wären etwa eineinhalb Stunden zu laufen, nur führt die Route mehrheitlich durch besiedeltes Gebiet und darauf verzichte ich gerne.

Vom Val Morobbia habe ich schon gelesen und da ich ja im Hotel Morobbia am Fluss Morobbia übernachte, könnte ich doch bei der Gelegenheit einmal in dieses Tal fahren. Ab Giubiasco gibt es stündlich einen Bus, ich frage mich aber, weshalb so oft, denn ich war bei der Hin- wie auch bei der Rückfahrt alleine im Bus.

Die Fahrt bis Carena dauert etwa fünfunddreissig Minuten. Dort angelangt spazierte ich ein Stück entlang einem Forstweg und wieder zurück. Mir gefiel vor allem der Weitblick, den ich dort hatte und ich realisierte, wie stark bewaldet die Region noch ist.

Wieder zurück in Giubiasco wollte ich entlang der Hungerfesttürmen laufen („Fortini della fame“), doch dieser Rundweg ist so schlecht signalisiert, dass ich, nachdem ich zwei der Türme von weitem gesichtet hatte, vom steilen Pflasterweg auf einen ebenen Weg durch Reben abbog. Dieser endete zwar an einem verlassenen Gehöft, ein offizieller Wanderweg führt aber dahinter vorbei.

Etwas weiter oben entdeckte ich einen Picknickplatz, bestehend aus Tisch und Bänken, bereits etwas morsch zwar, aber schön im Schatten. Für wen dieser wohl gedacht war fragte ich mich, denn da führt kein Wanderweg vorbei, aber es hat einen Eingang daneben, der aussieht, wie zu einem Bunker und neben dem Tisch steht ein Lüftungsrohr.

Dort verbrachte ich also den Rest des Nachmittags lesend, bis es Zeit war, zum Hotel zu gelangen, das leider erst ab 17:00 Uhr für das Check-in bereit ist. Ein steiler und steiniger Weg führt hinab zum Dorfzentrum und von dort gelangte ich in wenigen Minuten zur Hauptstrasse und zum Hotel.

Den Rundweg zu den „Hungerfestungen“ in Camorino halte ich mir für später auf, zu einer weniger heissen Jahreszeit.

Von der Kirche San Bartolomeo, die sich auf einem Hügel und von Wald umgeben unweit des Ufers der Morobbia befindet, konnte ich auch nur die Aussenseite besichtigen, die Kirche selber war, wie so viele im Tessin, verschlossen.

Auf Wanderer ausgerichtete Hotels findet man in städtischen Gebieten kaum. Das Hotel Morobbia in Camorina liegt zwar günstig nahe beim Wanderweg, günstig im Preis ist es jedoch keineswegs. Es ist vermutlich eher auf Geschäftsreisende ausgerichtet. Mit Hundertvierzig Franken für eine Nacht und mit mittelmässigem Frühstück ist dies bis jetzt das teuerste Hotel in meiner Wanderkarriere. Das Zimmer war schlicht, aber soweit gut ausgestattet, verfügt über eine Klimaanlage und liegt auf der hinteren Gebäudeseite, also der Strasse abgewandt. Ansonsten aber bietet es nichts besonderes an.

Mittwoch, 13. August 2025

(gewandert Giubiasco/Camorino – Isone)

Um sieben Uhr am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg, es soll achthundert Höhenmeter aufwärts gehen. Der Cima di Dentro ist der höchste Punkt der Etappe.

Der Aufstieg ist zwar zeitweilig recht steil, ein schmaler Pfad zieht sich in mehreren engen Kehren in die Höhe, doch man ist immer im Wald. Steinig und felsig wird es nur wenige Male. Man kommt an einigen hübschen Rusticos vorbei, die sich in recht gutem Zustand befinden, also noch benutzt werden. Zufahrt sehe ich zwar keine, dafür eine Transportseilbahn.

Dann endlich komme ich auf eine Lichtung zu, Markierungen sehe ich keine mehr, dafür weiter vorne die Strasse und den Wegweiser. Der höchste Punkt, der Cima di Dentro, ist nun erreicht.

Es ist nicht besonders schön am Cima di Dentro, Soldaten rennen überall umher und an einem Ort wo Schiessübungen stattfinden ist es nicht unbedingt empfohlen, unnötig lange zu verweilen. Zügig laufe ich weiter und finde bald einen Platz ausserhalb der Gefahrenzone, der sich für meine Pause eignete. Das Knattern und Knallen war zwar immer noch zu hören.

Da ich keine Eile hatte, es lag nur noch ein kurzer Abstieg vor mir, konnte ich meine nassgeschwitzten Sachen an der Sonne trocknen lassen und meine Füsse erhielten ebenfalls etwas Luft.

Später machte ich mich an den Rest meines Weges. Langsam und vorsichtig schritt ich abwärts über den steilen Schotterweg, teilweise war der Weg auch mit grossen Pflastersteinen besetzt. Von den jungen Soldaten, die den Weg hinauf und hinunter rannten, sofern sie nicht gleich querfeldein ins Tobel hinunter sprangen, liess ich mich nicht verleiten, von derer Trittsicherheit könnte unsereins nur träumen. Es waren vermutlich Absolventen der Grenadierschule der Schweizer Armee.

Kurz vor Isone fand ich noch einen Picknicktisch, wo ich mich nochmals niederliess, solange er noch im Schatten lag. Kurz vor vierzehn Uhr ging ich dann direkt ins Hotel Vedeggio (wie der Fluss) um den Nachmittag im schattigen Zimmer zu verbringen.

Am Abend hörte ich dann mehrere Male das Martinshorn und wunderte mich, was in so einem kleinen Ort wie Isone los sein könnte, vergass diesen Zwischenfall dann aber wieder, bis ich Tage später auf den unten angefügten Zeitungsartikel stiess. Nun ja, auch wenn sie flink und fit sind wie Gemsen, trinken sollten sie eben trotzdem, die jungen Männer.

Donnerstag, 14. August 2025

(gewandert Isone-Tesserete)

Es steht die längste Wanderung in diesen vier Tagen bevor, daher wollte ich sehr früh am Morgen starten, am Nachmittag wollte ich nicht mehr wandern. Ein einfaches Frühstück wurde mir am späten Abend noch auf der Etage bereitgestellt. Mein Zimmer im Hotel Vedeggio hat einen Balkon, so setzte ich mich noch vor der Dämmerung zum frühstücken nach draussen.

Dann verliess ich das hübsche Dorf Isone abwärts, lief über die Brücke der Vedeggio und schon befand ich mich im Wald. Anfangs etwas steiler, später sehr gemächlich führt der Weg in die Höhe, der höchste Punkt der Wanderung, liegt auf 1066m ü.M. und etwa auf halbem Weg.

Nicht oft bin ich in den Tagen im Tessin auf Alpsömmerungsbetriebe gestossen, an diesem Tag fand ich mehrere vor. An all den anderen Tagen traf ich eher auf verlassene und verfallene Alpsiedlungen.

Beim Passübergang Gola di Lago trennen sich die beiden nationale Weitwanderrouten Via Gottardo und Trans Swiss Trail. Ich wählte den längeren Weg, da ich noch zum Kapuzinerkloster Bigorio wollte. Es soll das älteste der Schweiz sein.

Durch Birkenwälder und mit Sicht auf umliegende Berggipfel folgte ich dem Abstieg nach Bigorio, und, oh Wunder, die Klosterkirche stand den Besuchern offen. Im kühlen Innern der Kirche blieb ich ein Weile sitzen. Über gepflasterte Wege geht es dann nochmals etwa 200 Höhenmeter abwärts.

Den Nachmittag wollte ich auf jeden Fall im Schatten verbringen, daher fand ich es sehr angenehm, dass auch das Hotel Tesserete um 14:00 Uhr für das Check-in bereit ist. Die Gelateria in der Nähe öffnet die Tore um 13:30. Dementsprechend richtete ich mein Lauftempo für den restlichen Abstieg aus.

Erst am frühen Abend verliess ich das Zimmer nochmals, um eine Pizza essen zu gehen. Im Irish Pup daneben und in einer anderen Bar hätte ich auch noch Unterhaltung haben können, doch dazu war ich viel zu müde, um 21:00 Uhr war für mich Schlafenszeit.

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