Via Gottardo Etappe 14, Lavorgo – Biasca

Die Nummerierung der Etappen ist aus offiziellen Dokumentationen, wie SchweizMobil, entnommen. Meine gewanderten Tagesetappen entsprechen diesen meist nicht. Denn ich optimierte jeweils An-und Abreise zum Ausgang-/ wie Zielort, und passte die Etappenlänge an meine jeweilig Tagesfittness an. Zudem nehme ich mir immer gerne Zeit für längere Pausen an schönen Plätzchen und für Besichtigungen von Kirchen, Museen etc.

Dienstag, 05. August 2025

(Abstecher ins untere Bleniotal)

Für zwei Nächte logierte ich in Biasca. Bei dieser Gelegenheit erlaubte ich mir einen Abstecher ins untere Bleniotal.

Die Rundwanderung „Giro del Castello die Sevavalle“ führt hinauf ins Ruinendorf Selvapiana und zu den Ruinen der Burg Serravalle. Es ist eine sehr abwechslungsreiche Wanderung, und obwohl sie relativ kurz ist, kamen meine Begleiterin Magi und ich trotzdem recht ins Schwitzen, denn es geht steil auf- und entsprechend steil wieder abwärts. Dass wir immer wieder einen Moment innehalten durften, verdanken wir den vielen Wegkapellen (religiöses Kleindenkmal), meist einer Familie gewidmet. Solchen Wegkappellen oder Bildstöcklis begegnete ich noch einigen in den folgenden Tagen, jedoch nie mehr so vielen in so kurzen Abständen.

Mittwoch, 06. August 2025

(gewandert von Lavorgo bis Giornico)

Am nächsten Tag ging es weiter entlang der Via Gottardo, Etappe 14. Ich hatte mein ganzes Gepäck dabei, denn ich zog für die folgenden drei Nächte ins Hotel Defanti in Lavorgo um. Auf meinem Tagesprogramm stand auch noch der Besuch des Talmuseums in Giornico.

Man startet in Lavorgo und erreicht nach wenigen Höhenmetern und in zirka einer Stunde das sehr schöne Dorf Chironico, auf knapp 800m ü.M. Für mich wirkte es ziemlich ausgestorben, doch soll es ein sehr beliebtes Bouldergebiet sein. Was das allerdings der Region ökonomisch und ökologisch einbringt, ist für mich eher fragwürdig. Diese Gäste übernachten ja meist in Zelten oder im Camper. Doch anscheinend haben die Gemeinden nun reagiert und ziehen Gebühren ein, womit sie einen Teil der Kosten für Abfallentsorgung und dem Bereitstellen von Toiletten decken können.

Mich zog es weiter zur mittelalterlichen Kirche San Pellegrino. Diese steht abgelegen in einem Kastanienwald am einstigen Gotthard-Saumpfad. Sie gilt als die Kirche mit der reichsten Ausmalung des späten 16. Jahrhunderts des Kantons.

Erstaunlicherweise erhielt ich Zugang ins Innere der Kirche, musste mir diesen jedoch mittels einer App zuerst erschaffen. Nach mehreren Versuchen konnte ich den Drehknopf bedienen und ins Innere eintreten und den kunstvoll geschmückten Raum auf mich wirken lassen.

Wieder draussen gab es für mich erst einmal Mittagspause. Danach begab ich mich an den etwas steileren Abstieg nach Giornico.

Speziell am Dorf Gioronico ist, dass es eine bewohnte Insel in der Mitte der Ticino gibt. Die Häuser an den engen Gassen sind zum Teil recht gut erhalten. Doch lohnenswert anzuschauen ist vor allem das kunstvoll verzierte Gebäude „Casa Stanga“, das heute das „Museo di Leventina“ beherbergt. Das historische Gebäude wurde durch einen Neubau erweitert, indem sich der Lift, das Treppenhaus und Balkone befinden.

Die Ausstellung gibt Einblicke in das Leben und die Geschichte des Tals, doch die Texte sind alle in Italienisch. Man muss also die Übersetzungsapp zu Hilfe nehmen.

Der Tag neigte sich dem Ende zu, der kulturelle Aspekt überragte den sportlichen, doch so soll es auch sein, mir geht es nicht darum, möglichst viele Kilometer abzulaufen, sondern mich in die Gegend einzulassen, durch die ich wandere.

Donnerstag, 07. August 2025

(gewandert von Giornico bis Personico)

Auch wenn ich ursprünglich vor hatte bis Biasca zu laufen, beendete ich meine Wanderung bereits in Personico. Es ist zwar nur ein Wegstück von drei Stunden reiner Gehzeit, doch, wie im Tessin halt üblich ist, geht’s steil und steinig aufwärts und dann in etwa dem selben Stil wieder hinab. Bis Biasca wären es nochmals eineinhalb Stunden Weg, doch ich sagte mir: „morgen ist auch noch ein Tag“ und liess es bleiben.

Die Via Gottardo verläuft auf der Schattenseite des Tals und und führt meist durch den Wald. Das ist im Sommer ein Vorteil gegenüber der Strada Alta.

In Giornico überquerte ich die Ticino via der oberen Brücke und hatte so nochmals eine gute Sicht auf die bewohnte Insel mitten im Fluss und auf die beiden Kirchen im hangseitigen Dorfteil.

Die im 12. Jahrhundert erbaute San Nicolao wird zur Zeit renoviert, die Tür stand zwar offen, ich trat ein, fand jedoch nirgendwo einen Lichtschalter, so dass ich meine Besichtigung im Dunkeln abhalten musste. Die andere, Kirche, gleich daneben, die San Michele, war abgeschlossen.

Insgesamt zählt Giornico sieben Kirchen, an der Wallfahrtskirche San Pellegrino kam ich ja am Vortag bereits vorbei.

Etwas später beginnt der Aufstieg über unzählige treppenartige Stufen in die Höhe. Nur manchmal geht es ein kurzes Stück eher flach weiter, so dass man wieder zu Kräften kommen kann.

In Personico wartete ich auf den Bus, der mich zur nächsten Bahnstation bringen sollte. Dort hat man Anschluss an die Bahn wie auch an den Postautokurs durchs Tal.

Ein Schulbus kam dann angefahren, mit kindergerechten kleineren Sitzen, der fuhr mich zur Station Bodio, wo ich den Bus nach Lavorgo nahm.

Freitag, 08. August 2025

(gewandert von Personico-Biasca)

Am nächsten Morgen schien sich der Fahrer des Schulbusses zu freuen, mich wieder als einzigen Fahrgast zum Ausgangsort für die restliche eineinhalbstunden Wanderung zu bringen.

Es war zwar nicht mehr so früh am Morgen, doch zum Glück noch nicht so heiss. Bald komme ich zum Uferweg, da war es noch schön schattig, danach musste ich unter Bahn und Autobahn durch, und war im Siedlungsgebiet angelangt, kurze Zeit später dann auch im Zentrum von Biasca.

In Biasca wollte ich mir etwas Zeit nehmen und die beiden Kirchen besichtigen. Von weitem fällt dem Besucher die Kirche San Carlo Borromeo mit ihrer achteckigen Kuppel auf. Weiter oben thront die Kirche der Heiligen Peter und Paul. Diese stellt eine der bedeutendsten Beispiele romanischer Architektur im Kanton Tessin dar.

Anschliessend spazierte ich noch zum Oratorium Santa Petronilla, oberhalb des Dorfes. Auf dem Weg dorthin kommt man an vielen, kunstvoll mit Mosaiksteinen besetzten Votivbilder vorbei.

Eine sehr schöne Stelle und nur wenige Höhenmeter oberhalb des Bahnhofs Biasca ist der Santa Petronilla-Wasserfall. Um aber direkte Sicht auf den Wasserfall zu erhalten, müsste man etwas auf einer steilen Treppe absteigen. Bei den etwa drei Wasserbecken herrschte bereits reger Betrieb, mehrere Hunde tummelten sich darin. Zudem posierten sich grad zu viele „Social Media Bild“ Jäger dort.

So lief ich den unteren Weg zurück bis zu den Kirchen und dann direkt zum Bahnhof. Ich wollte noch ein weiteres kurzes Wegstück vor Bellinzona laufen, so dass ich die nächsten Wandertage ab Bellinzona weitermachen kann.

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