Au fil du Doubs

Wandern Au fil du Doubs

Entgegen allen Tourenbeschreibungen aus dem Internet startete ich in Saint-Ursanne, wanderte also in Gegenrichtung.

Dienstag, 23. Juli 2024: Anreise von Zürich nach Saint-Ursanne und Wanderung entlang dem Doubs bis Soubey, ca. 3 ¾ h und 15,5 km, ⇑ 260m ⇓ 220m

Der Bahnhof St-Ursanne liegt oben am Hang, ans Ufer des Doubs gelangt man entweder direkt links hinunter, oder man wählt den längeren Weg nach rechts und besichtigt zuerst das mittelalterliche Städtchen, quert den Doubs via der dreihundertjährigen Steinbrücke und folgt danach dem Weg. Da mich im Vorjahr bereits eine Weitwanderung nach Saint-Ursanne führte, hielt ich mich nur kurz im Städtchen auf, es lohnt sich aber, sich etwas Zeit zu nehmen.

Die ersten zwei Kilometer der Uferwanderung sind unspektakulär, das wusste ich noch vom letzten Mal her. Danach jedoch wird es umso schöner. Nach einer guten Stunde erreicht man die Fähre zum Restaurant Tariche auf der anderen Seite, eine gute Gelegenheit für eine Pause, wenn man nicht, wie ich, über genügend Proviant aus dem Rucksack verfügt.

An mehreren schönen Plätzchen hielt ich mich etwas länger auf, ich hatte ja keine Eile. Von dem eher schwülwarmen Tag bekam ich kaum etwas mit, man läuft meist im Schatten. Kurz vor Soubey setzte ich mich nochmals auf eine Bank, schaute dem regen Geschehen auf dem Fluss zu (Kanus), und bezog danach mein Zimmer im Hotel du Cerf in Soubey.

Mittwoch, 24. Juli 2024: von Soubey bis Goumois, ca. 3 ¼ h und 14,2 km, ⇑ 220m ⇓ 200m

Nach einer erholsamen Nacht und dem feinen Frühstück, bestehend aus frischen und regionalen Produkten, (die Hotelküche ist stark auf vegane Ernährung ausgerichtet, doch es gibt auch Gerichte mit tierischen Produkten) machte ich mich beizeiten auf den Weg. Obwohl es ja nicht weit ist bis zum nächsten Etappenort, geniesse ich es, am frühen Morgen zu wandern.

Gegen Mittag traf ich auf einen Rastplatz mit Grillstelle ganz in der Nähe von Goumois, hatte also mein Ziel schon fast erreicht. An einem der Tische machte ich es mir gemütlich und verbrachte ein paar Stunden, meist lesend.

Aufgrund der guten Erreichbarkeit des Rastplatzes herrschte reger Betrieb, sowohl von Familien wie auch einer Gruppe von Menschen mit einer körperlichen/geistigen Einschränkung. Nach Stunden auf einsamen Pfaden genoss ich gerne wieder die Nähe zu Menschen.  

Goumois ist ein Dorf, das sich zum einen Tail auf Schweizerischem- und zum anderen Teil auf Französischem Boden ausbreitet. Seit jeher teilen sie sich die Infrastruktur.

Auf der französischen Seite fand ich eine kleine Epicerie und kaufte ein Baguette, da mir das Brot ausgegangen ist. Auf der Terrasse vom Hotel du Doubs waren bei meiner Ankunft alle Tische besetzt, das war am Abend auch nicht anders. Man platzierte mich einfach am langen Tisch dazu. Die Spezialitäten des Hauses sind Forellen oder Froschschenkel, ich wählte ersteres.

Während unten auf der Terrasse die regen Gespräche noch andauerten, zog ich mich ins Zimmer zurück und legte mich schlafen.

Donnerstag, 25. Juli 2024: von Goumois bis Biaufond Douane, ca. 5 h und 18,2 km, ⇑ 450m ⇓ 332m

Kurz vor sieben Uhr am nächsten Morgen habe ich mich auf den Weg gemacht, ich dachte mir, vielleicht schaffe ich es ja doch bis Maison Monsieur, darf dort aber den Bus nicht verpassen.

Begegneten mir in den zwei Tagen davor immer wieder einmal Wanderer oder Spaziergänger, traf ich bald nur noch Fischer als einzige menschlichen Lebewesen an, dafür umso mehr Natur. Und natürlich auch vereinzelt Spuren längst vergangener industriellen Zeiten am Doubs.

Um intensiver in die alten Zeiten der Region einzutauchen bietet sich ein Besuch im Museum der unterirdischen Mühle an.

An jenem Tag wollte ich nicht zu viel Zeit mit dem Studium der Ortsgeschichte verbringen, ich wollte weiterlaufen um allenfalls eine Transportmöglichkeit am frühen Nachmittag zu finden, zum Beispiel per Autostopp.

Kurz vor Biaufond war Ende mit Schatten, der Wanderweg führt entlang der geteerten Strasse, das einzige Restaurant ist dauerhaft geschlossen, das Zollhäuschen steht einsam und verlassen da.

Die Fahrzeuge, die in Richtung La-Chaux-de-Fonds abbogen, waren jeweils nur mit Fahrer (männlich) besetzt, so dass ich keins davon als Mitfahrgelegenheit in Betracht zog. Soll ich nun ein Taxi rufen oder drei Stunden auf der Bank vor dem Zollhäuschen warten? eine andere Option gab es nicht. Ich entschied mich für das Taxi, das kostete mich zwar achtzig Franken, bekam dafür eine sehr angenehme Fahrt mit einem kommunikativen Fahrer.

Ab La-Chaux-de-Fonds reiste ich mit Bus und Zug via Le Locle nach Les Brenets. Auch dort ist der Bahnhof oberhalb des Dorfes, mein Hotel aber weit unten am See. Bereits da fühlte ich mich etwas angeschlagen, dachte aber, dies sei nur aufgrund der Wärme und der etwas längeren Wanderung und werde dann bis am nächsten Tag schon wieder besser. Das war dann aber leider nicht so.

Die letzte Etappe konnte ich somit nicht laufen, ich verbrachte den Tag im Hotel «les Rives Du Doubs» dort hatte ich das Glück auf ein sehr schönes Zimmer im Obergeschoss mit Balkon und Sicht direkt auf den See. Noch nie habe ich ein Hotelzimmer bezahlt und so gut ausgenutzt wie dieses, und zum Glück war es grad noch eins der schönsten seit langem.

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